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Morias Enkomion - klicken für größeres Bild
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Titel Morias Enkomion  NEU! 
Artikel-Nr. 4123210
Kategorie Blasorchester/HaFaBra
Unterkategorie Solo für Piano
Besetzung Ha (Blasorchester); Pno (Klavier)
Besetzungsart/Infos Solo f. Pno
Format/Umfang PrtStm (Partitur und Stimmen)
Erscheinungsland Niederlande (nl)
Verlag * Molenaar Edition
Verlags-Artikelnr. * MOL 013833090
Verkaufspreis Bitte einloggen um den Preis anzuzeigen.hier klicken
Komponist Schrijvers, Geert
Schwierigkeitsgrad 5
Dauer 12:00
Zusatzinfo/Inhalt Geert Schrijvers’ Komposition *Morias Enkomion* greift Erasmus’ satirisches Werk *Lob der Torheit* auf, in dem die personifizierte Torheit menschliche Schwächen und gesellschaftliche Widersprüche verspottet. Im musikalischen Werk übernimmt das Klavier diese Rolle. Es beobachtet das Orchester, reagiert auf dessen Klänge, provoziert und nimmt musikalische Ereignisse vorweg. Das „Sleep'out“-Motiv und die Glöckchen der Narrenkappe unterstreichen seinen ironischen und selbstkritischen Charakter.

Schrijvers verbindet Erasmus’ historische Gesellschaftskritik mit Erfahrungen der Corona-Pandemie. Impfgegner, Verschwörungstheorien, Lockdowns, Angst und Polarisierung werden musikalisch zugespitzt dargestellt. Die Bassposaune verkörpert einen polternden Politiker, die sich verändernde Sarabande steht für Entfremdung, und der eskalierende Marsch für zunehmende gesellschaftliche Spannungen. So wird das Klavier zugleich zum Spötter und zum Teil der kritisierten Gesellschaft. Die Komposition regt dazu an, nicht nur über die Torheit anderer zu lachen, sondern auch die eigenen Ängste, Vorurteile und Gewissheiten zu hinterfragen.

(© musicainfo.net)
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Programmnotizen *: Ergänzungstext

Morias Enkomion: Torheit als Spiegel der Gesellschaft

Desiderius Erasmus von Rotterdam veröffentlichte *Morias Enkomion*, im Deutschen meist *Lob der Torheit*, im Jahr 1511. Die satirische Schrift gehört zu den bedeutenden Texten des europäischen Humanismus. Erasmus greift darin auf die literarische Form der Narrenrede zurück: Die personifizierte Torheit tritt selbst als Sprecherin auf und lobt ihre vermeintlichen Vorzüge. Dadurch entsteht ein doppelbödiger Text, in dem Lob und Kritik ständig ineinander übergehen. Die Torheit behauptet, das menschliche Leben zu bestimmen, und führt vor, dass nahezu alle gesellschaftlichen Bereiche von Selbsttäuschung, Eitelkeit und irrationalem Verhalten geprägt sind.

Im Zentrum stehen nicht nur einzelne Personen, sondern ganze gesellschaftliche Gruppen und Institutionen. Gelehrte, Theologen, Herrscher und Politiker werden ebenso kritisch betrachtet wie das alltägliche Streben nach Anerkennung, Besitz und Macht. Erasmus formuliert seine Kritik nicht als nüchterne Anklage. Er überlässt der Torheit selbst das Wort und macht gerade dadurch die Widersprüche menschlichen Handelns sichtbar. Die Narrenrede unterhält, verspottet und fordert zugleich zur Selbstprüfung auf. Wer über die Torheit der anderen lacht, muss sich fragen, ob er nicht selbst Teil der kritisierten Welt ist.

Die Komposition "Morias Enkomion" von Geert Schrijvers

An diese Grundidee knüpft Geert Schrijvers in seiner Komposition *Morias Enkomion* für Höchststufenblasorchester an. Die musikalische Umsetzung überträgt die literarische Personifikation der Torheit auf das Klavier. Als ungewöhnliches Instrument innerhalb des Blasorchesters steht es nicht einfach solistisch neben dem Ensemble. Es beobachtet das Orchester, reagiert auf seine Gesten, provoziert musikalische Vorgänge oder nimmt sie vorweg. Dadurch entsteht eine Figur, die sich weder vollständig in den Klangkörper einfügt noch außerhalb von ihm bleibt. Das Klavier kommentiert das Geschehen und wird zugleich zu einem Teil jener Gesellschaft, die es kritisch beleuchtet.

Diese Doppelrolle entspricht der Funktion der Torheit bei Erasmus. Das Klavier kann scheinbar souverän auftreten, dann aber durch unerwartete Einsätze, Übertreibungen oder groteske Klangwirkungen die Autorität des Orchesters infrage stellen. Es wirkt beobachtend und spöttisch, ist jedoch nicht frei von den Widersprüchen, die es sichtbar macht. Das sogenannte „Sleep'out“-Motiv verweist dabei auf eine Haltung des Wegsehens oder Verschlafens. Die Glöckchen der Narrenkappe verstärken den ironischen Charakter: Sie markieren die Figur als närrisch, lenken aber zugleich die Aufmerksamkeit auf Aussagen, die nicht einfach als Unsinn abgetan werden können.

Schrijvers erweitert den historischen Bezug auf Erasmus um Erfahrungen der Corona-Pandemie. Impfgegner, Verschwörungstheorien, Lockdowns und die zunehmende gesellschaftliche Polarisierung erscheinen nicht als dokumentarische Einzelbilder, sondern als musikalisch zugespitzte Erscheinungen menschlicher Unsicherheit und Selbsttäuschung. Die Komposition stellt dabei nicht nur eine Seite als vernünftig und die andere als töricht dar. Vielmehr zeigt sie, wie Angst, Misstrauen und der Wunsch nach einfachen Erklärungen gesellschaftliche Spannungen verstärken können. Die Torheit wird damit zu einer Gegenwartsfigur.

Besonders deutlich wird dies in den musikalischen Charakteren. Die Bassposaune verkörpert den polternden Politiker. Ihr Klang kann Autorität und Lautstärke vermitteln, zugleich aber auch Überzeichnung und grobe Vereinfachung. Die Sarabande, ursprünglich ein klar geprägter Tanzsatz, verändert sich im Verlauf des Werkes. Ihre Wandelbarkeit lässt sich als musikalisches Bild der Entfremdung verstehen: Vertraute Ordnung bleibt erkennbar, verliert jedoch zunehmend ihre Stabilität. Der eskalierende Marsch führt schließlich in eine Atmosphäre von Polarisierung und Angst. Was zunächst nach gemeinsamer Bewegung klingt, entwickelt sich zu einem zunehmend bedrohlichen und auseinanderdriftenden Prozess.

• Damit verbindet Schrijvers Erasmus’ historische Gesellschaftssatire mit einer musikalischen Reflexion der Gegenwart. Das Klavier als Torheit verspottet, kommentiert und stört. Es zwingt das Orchester, auf seine Einwürfe zu reagieren, und macht dadurch verborgene Spannungen hörbar. Gerade weil die Figur nicht nur über andere lacht, sondern selbst in das Geschehen verwickelt bleibt, besitzt die Komposition ihre kritische Wirkung. *Morias Enkomion* fordert dazu auf, gesellschaftliche Phänomene nicht nur zu beurteilen, sondern auch die eigenen Wahrnehmungen, Ängste und Gewissheiten zu hinterfragen. •

Text: © musicainfo.net (KI)

Quellen/Sources:
Molenaar: Morias Enkomion
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